(Bitte im Kopf „Ghostbusters“ summen)
Wenn es wieder mal brennt in der Nachbarschaft:
Was ruft ihr dann?
Varus, gib mir meine Legionen wieder!
Nein quatsch, natürlich ruft dann hoffentlich jemand die Feuerwehr. Aber was hat die Feuerbekämpfung mit dem römischen Statthalter Varus zu tun, dessen Wirken dazu führte, dass Totto sein markantes Profilbild hat und im Teutoburger Wald ein riesiges Herrmannsdenkmal steht?
Die Verbindung schafft der deutscher Aufbauhersteller Schlingmann selbst, welcher seinen Sitz in Dissen beim Teutoburger Wald hat, und eine ganze Aufbau-Reihe „VARUS“ taufte – mit zugehöriger Legende, die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Abseits von diesem Marketing-Gag geht es hier um ein weiteres Modell, was bei Bluebrixx in Zusammenarbeit mit Xingbao (der beiliegende Teiletrenner verrät es) und unter offizieller Schlingmann-Lizenz umgesetzt wurde: Den Schlingmann TLF-3000 VARUS 4x4. Genauer gesagt auf Unimog-Fahrgestell.Generationen von Schulkindern haben im Geschichtsunterricht die Geschichte
von der Varusschlacht gelernt. Seit Jahrhunderten versuchen Historiker, den
Ort, an dem die Schlacht stattfand, zu lokalisieren, aber noch nie wurden
stichhaltige Beweise für die Schlacht gefunden.
Warum? Vielleicht ist die Antwort simpel: Es gab diese Schlacht nie und die
Römer haben sie erfunden, um die wahre Geschichte zu vertuschen.
Die Geschichtsschreibung ist voll von Berichten über verheerende
Feuersbrünste in Rom, welche teilweise die ganze Stadt vernichteten. Die Römer
hatten damals zu ihrem Schutz lediglich eine kleine Truppe von Sklaven, die sie
zwangen, gegen die Brände vorzugehen.
Varus war damals Statthalter in Germanien und dort lernte er das germanische
System kennen: Abertausende von Bürgern brachten dort – freiwillig und ohne
Entlohnung – ihr Leben in Gefahr, um unter dem Leitspruch “Gott zur Ehr’ dem
nächsten zur Wehr” in brennende Häuser einzudringen und Menschen zu retten.
Varus war begeistert und versuchte, die Römer von diesem tollen System zu
überzeugen, doch Kaiser Augustus weigerte sich. Und so sah Varus schließlich nur
einen Ausweg – er trat mit seinen drei Legionen aus der römischen Armee aus und
in die germanische Feuerwehr ein. Natürlich konnten die Römer das nicht auf
sich sitzen lassen – und so erfanden sie die Legende von der Schlacht am
Teutoburger Wald.
Wieso sie behaupteten, die Schlacht hätte am Teutoburger Wald stattgefunden?
Ganz einfach: Varus hatte sich hier niedergelassen und beschäftigte sich fortan
mit der Entwicklung von Gerätschaften, die seine Kameraden von der Feuerwehr
bei ihren Einsätzen unterstützen und schützen sollten. Noch heute lebt dieser
Erfindergeist und der Wunsch, Kameradinnen und Kameraden die bestmögliche
Technik zur Verfügung zu stellen, am Teutoburger Wald weiter.
Und deswegen lassen wir VARUS wieder auferstehen.*
* Die Legende ist eine dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw.
literarische Gattung, die einen Kern von Wahrheit beinhalten kann – aber nicht
muss. Diese hier ist frei erfunden – aber es könnte genauso passiert sein, oder
nicht?
Quelle: https://www.schlingmann112.de/varus/
Wie es schon einigen bekannt sein sollte, widme ich Feuerwehrmodellen meine ganz besondere Aufmerksamkeit und bespreche diese dann auch sehr ausführlich. Gerade im Hinblick, wie spartanisch die Produktvorstellung im Video von Bluebrixx selbst ist, möchte ich hier einen Ausgleich - oder besser gesagt - eine Ergänzung für diejenigen liefern, die mehr über die eigentlichen Hintergründe wissen möchten und wie gut das Modell sie eigentlich widerspiegelt.
Die weiteren technischen Details und anderes Hintergrundwissen gibt´s mal wieder im Spoiler. Ansonsten bitte hier lang zur Modellvorstellung.
► Text anzeigen
Das Ganze kommt in einem schick bedrucktem Karton an, der bereits die Highlights des Modells gut präsentiert. Macht auf jeden Fall Appetit auf´s Bauen. Drinnen liegt dann dicht gepackt (es wird keine Luft mitgeschickt) die ganzen Tüten samt gut gedruckter Anleitung und einem Stickerbogen. Ja, richtig gelesen, es gibt Sticker. Das wundert ein wenig, da schon beim Vorgänger, dem HLF, alles bedruckt war - auch über mehrere Steine. Hier also nun Sticker für eine Beschriftung über mehrere Steine. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass auch weiterhin alles Wichtige bedruckt ist. Die Sticker sind tatsächlich im Grunde nur die Werbebeschriftungen seitens Schlingmann und ein Weglassen stört nicht. Ich habe im Laufe des Baus mich dann dafür entschieden, zumindest die Logos für VARUS aufzukleben.
Die Anleitung beginnt dann auch mit einer kurzen Vorstellung und Produktbildern des VARUS TLF 3000. Allerdings ist der Text ziemlicher Werbesprech und steht so wahrscheinlich auch in irgendeiner Broschüre von Schlingmann. Eine etwas angepasster Text für Laien mit gezielter Ansprache der Highlights im Modell, z.B. wie bei den antiken China-Modulars von Xingbao, hätte die Präsentation aufgewertet. Die Anleitung selber ist eigentlich gut zu lesen. Für mich persönlich sind bei Xingbao-Anleitungen die kompakte Darstellung vieler Bauschritte in einem kleinen Neben-Fenster immer etwas anstrengend. Da ist Konzentration gefragt, um nicht doch einen Pfeil fehlzudeuten.
Die Klemmkraft der Steine ist gut, bis auf zwei Ausrutscher. So klemmten ein paar 2x4 Bricks alleine wenig gut. Sie werde aber später ausreichend überbaut, um dann kein Problem mehr darzustellen. Auch bei den Technic-Pins ist noch Luft nach oben bei der Qualität. Sie sind kein Schrott, aber sie klemmen immer noch weniger "Smooth", als die bei Lego. Dadurch sind Baulösungen, in denen man Stangen in diese Pins schiebt, etwas hakelig zu klemmen.
Die vorliegenden Drucke überzeugen von der Qualität. Die bedruckte 6x6 Fliese weist zwar einige Kratzer auf, aber der Druck ist in Ordnung. Die zwei Prints vom Wappen, die ihr später an den Türen seht, sind übrigens nicht dabei, sondern Custom Parts, die ich selber hinzugefügt habe.
Beim Bauen gibt es im Grunde nur zwei hakelige Stellen, bei denen man vorsichtig hantieren muss. Da wäre zum einen der Bau der Karosserie, bei dem man auch die Tanks an der Seite bereits anbaut. Diese halten lange Zeit nur an ein paar Noppen und können leicht abfallen, wenn man sie beim Bau unvorsichtig anfasst. Erst beim Überbauen mit den roten Plates, ist dies dann (fast) kein Problem mehr.
Die andere schwierige Stelle ist dann der Bau des Fahrerhauses, welches der vorletzte Schritt ist. Baut man nach Anleitung, werden die schwarzen Kotflügel jeweils an insgesamt vier Noppen an der Seite befestigt. Darauf wird dann die jeweilige Tür vorgeklemmt lose aufgelegt. Und bleibt dann auch erstmal lose. Der weitere Bau der Front klemmt zwar dann die Türen irgendwann fest, aber der gesamte Aufbau ist lange Zeit nur locker aufliegend. Irgendwann geht man dann doch dazu über, den Bau losgelöst von der Karosserrie zu beenden und dann im Ganzen aufzusetzen, was auch gut klappt. Mit dem Aufklemmen der Windschutzscheibe und des Daches klemmt das Ganze dann auch am Schluss sehr stabil.
Kleinere Highlights für mich beim Bau waren der Bau des Stromaggregats mittels BRU, die Schläuche mittels Felgen, die Kanister sowie das kleine Tetrisspiel beim Bau der Zugangsleiter zum Dach.
Die Fliesen sind alle durchweg mit Mikrokratzern übersät, was aber größtenteils nicht stört. Die Windschutzscheibe war zusammen mit den Reifen extra verpackt und dementsprechend einigermaßen geschützt. Leider gab es auch immer noch einzelne verdreckte Teile, welche aber wenigstens leicht gereinigt werden konnten.
Dann noch eine kleine Kuriosität: Bei mir lagen zwei Ingots in Pearl Black bei, die ich nirgendwo zuordnen kann. Statt dessen fehlen mir zwei Ingots in Black. Ich habe die Anleitung mehrmals geprüft und bin mir somit relativ sicher, dass ich mich nicht verbaut habe und somit Teile in falscher Farbe vorliegen. Alternativ ist die Farbtreue für Pearl Black in der Anleitung von Black nicht zu unterscheiden. Wie dem auch sei, ich habe sie für die Rückspiegel verwendet.
Insgesamt war der Bau schön abwechslungsreich, auch wenn ich persönlich immer froh bin, wenn der "Technic"-Part der Karosserie fertig ist. Ich finde es einfach spannender, den Geräteraum Stück für Stück mit seiner Beladung zu klemmen. Als Hinweis sei noch gesagt: Auch wenn es nicht viele Anbauten gibt, die abfallen können, so muss man später trotzdem darauf achten, die Tanks und das hintere Trittbrett nicht unvorsichtig anzufassen. Man hat aber eigentlich genug Raum, um das Modell gut in einer Hand zu halten und Teile anzuklemmen. Dann stört es auch nicht weiter, wenn bereits die Federung montiert ist. Eine letzte große Herausforderung ist die Montage des vorgeklemmenten Daches. Bis es bei mir überall gut klemmte, musste ich einige Male rundherum gut Druck ausüben. Danach hat man aber einen stabilen Block vor sich.
Weiter geht´s aufgrund der Bildergrenze im nächsten Post.