[Review] BlueBrixx-Special 109460 - Tunnelrettungswaggons (8w)
Verfasst: 8. August 2026 01:26
Töff, töff, töff die Eisenbahn, wer will mit zum Einsatz fahr´n?
Erschienen letztes Jahr, habe ich mir das Set zum Jahreswechsel gegönnt. Da es nun ausreichend gereift ist (und ich den Stau abbauen möchte) wird es nach dem Bau mal Zeit für eine Rückschau.
Wie immer werde ich neben der Betrachtung des Modells auch einiges zum Vorbild zum Besten geben. Wer das nicht möchte, kann die Spoiler entsprechend ignorieren.
Kurzinfos zum Set:
- 3004 Teile
- Preis 139,95 €
- Länge aller 5 Waggons: ca. 175 cm
Der Bau
Das Set kommt im formvollendeten schlichtbraunen Karton daher. Die Tüten sind nicht nach Bauabschnitten unterteilt, man muss also alles sofort öffnen und selber vorsortieren. Die Anleitung ist nur als Download bei Bluebrixx erhältlich.
Der Bau beginnt mit dem Löschmittelwagen. Dessen Fahrgestell ist im Prinzip eine flache Platte, weswegen hier im Grunde nur einige Plates übereinander gebaut werden. Interessanter ist da schon die Konstruktion des Aufbaus. Der Container wird quasi mit auf der Seite liegenden Wänden gebaut. Diese bestehen unter anderem aus Steinen mit Mauermuster, wodurch sich eine leicht geriffelte Optik ergibt. Im Anschluss wird der kleinere Aggregatraum mit der markanten Lüfterhutze gebaut. An der Stelle erlaubt sich die Anleitung einen der wenigen Schnitzer: Der Einbau in Bauschritt 63 kann nicht in dieser Reihenfolge durchgeführt werden, da die Brackets im Weg sind. Die müssen nachträglich angefügt werden.
Danach sind der Unterbau und die Drehgestelle an der Reihe. An dieser Stelle kann man die Drehgestelle direkt viermal bauen, da diese baugleich mit denen vom Gerätewagen sind, welcher direkt im Anschluss folgt. Beim Bau der Drehgestelle müssen die Räder erstmal auf die beiliegenden Metallachsen gesteckt und dann in die Fassung gedrückt werden. Danach laufen sie gut. Ein Innenraum wird übrigens weder beim Löschmittelwagen, noch beim Gerätewagen mit Details ausgebaut. Die Dächer sind auch nicht abnehmbar gestaltet.
Der Gerätewagen bietet wieder etwas Abwechslung, auch wenn man hier auch zunächst für das Gestell aus mehreren Platten baut. Da er aber einen Tiefladewagen als Vorlage besitzt, wird sehr rasch vertikal gebaut. Ansonsten sind die Bautechniken hier eher klassisch, wobei die Nutzung der Slope, Curved 8 x 8 x 2 Double für eine typische Tonnendachform sorgen. Die Rollläden an den Eingängen werden mit Steinen mit Mauermustern umgesetzt.
In Bauschritt 172 folgen dann die beiden Transportwagen, welche genau gleich gebaut werden. In der vorliegenden Version der Bauanleitung wird das leider anfangs nicht ganz deutlich, weil das Einschubbild nicht richtig dargestellt wird. Anfänglich kann man auch gleich den Unterbau des Sanitätswagens mitmachen (Bauschritte 280-299), da der Unterbau komplett derselbe ist. Und wenn man schon in der Serienfertigung ist: Die Drehgestelle aller drei Wagen sind ebenfalls identisch, als bitte sechs Mal machen.
Der Bau der Transportwagen ist dann auch recht simpel, weil sie außen eigentlich nur aus Formteilen für Containerwänden bestehen und der Innenraum Großteils nur mit Sitzen ausgestattet wird.
Der Sanitätswagen – ich benenne ihn erstmal weiterhin so, warum ich damit ein Problem habe, erkläre ich später – weicht dann im Innenausbau auch nur insoweit ab, als das hier viele Regale und Staukästen untergebracht werden. Insgesamt sind die letzten drei Wagen aufgrund der Wiederholung dann doch ein eher ernüchterndes Bauerlebnis.
Die Qualität der Steine ist gut. Eigentlich knarzt nichts, es klemmt alles gut. Auch Ein-Noppen-Verbindungen sorgen nicht für Stress. Lediglich einzelne verschmutzte Steine sorgen für Stirnrunzeln und beim Rot gibt es bei bestimmten Teilearten geringe Farbabweichungen, wobei man da schon stark drauf achten muss. Bei den langen und kurzen Rigid Hoses fällt der Farbunterschied schon deutlicher aus. Sie sind aber fest genug und lassen sich wie in der Bauanleitung vorgesehen nutzen und biegen. Da ich sie noch für andere Zwecke nutzen möchte, habe ich die kurzen Rigid Hoses (etwa 7 cm Länge) jedoch in meinem Modell nicht verbaut, da sie zweimal geknickt verbaut werden und ich hier dauerhafte Stressmarker vermeiden wollte. Außerdem müssten die langen Rigid Hoses, welche etwa 28 cm lang sind, zum Teil auf die exakte Länge zugeschnitten werden, was ich ebenfalls nicht getan habe. Ansonsten fiel mir eine Spannung der Teile bei der Bautechnik für die Säcke neben den Türen auf.
Das fertige Modell
Um wieder einen detaillierten Abgleich zwischen Modell und Original durchführen zu können, noch ein paar Worte zur Vorlage: Wie oben im Hintergundwissen erwähnt, wurden die Rettungszüge zwischen 2014 und 2020 erneuert. Das vorliegende Modell stellt den Zustand vor dieser Modernisierung dar. Das kann man ganz leicht erkennen, weil die neueren wagen komplett neu als Containerwagen aufgebaut wurden und von außen nahezu identisch aussehen. Auch bestehen sie nun durchgehend aus Tiefladewagen. Warum sich Bluebrixx nun für die ältere Vorlage entschieden hat, liegt meiner Meinung einfach an der baulichen Abwechslung. Fünf Mal fast denselben Wagen zu bauen ist jetzt auch nicht meine Traumvorstellung eines spannenden Baus. Mir haben schon die drei gleichen Wagen gereicht.
Was natürlich noch auffällt sind die fehlenden Loks, wobei hier wohl auch der Preis eine Rolle spielt. Wer den Zug später nahezu stilecht ziehen möchte, nutzt dazu am Besten die dunkelblaue V100 von Bluebrixx. Dies kommt dem Aussehen der Züge in den Anfangszeiten nahe. Später waren die Loks rot lackiert – das müsste man dann modden.
Nun aber zum eigentlichen Vergleich:
Löschmittelwagen
Der Löschmittelwagen ist im Original mit Wassertank, Pumpen, Schaumtank und weiteren Aggregaten ausgestattet. Außerdem waren hier Rettungstragen verlastet. Von all dem sieht man von außen im Grunde nichts und da Bluebrixx keinen Innenausbau gestaltet hat, gibt es hier auch nicht zu meckern, denn der äußere Grundaufbau ist soweit mit dem Original stimmig. Die größte Abweichung ergibt sich im direkten Vergleich. Bei all den Bildern vom Original konnte ich immer nur eine große durchgehende Lüfterhutze (der „Auspuff“ am kleinen Anbau) erkennen. Im Modell ist diese zweigeteilt. Der Anbau, welcher im Original übrigens die Wageneigenen Dieselaggregate zur Stromerzeugung und somit Versorgung der Pumpen beherbergt, ist auch viel zu breit. Im Original konnte man an den Seiten locker noch Mannbreit daneben stehen. Warum hier so stark abgewichen wurde, erschließt sich mir erstmal nicht. Was außerdem fehlt, ist eine – wenn auch angedeutete – Tür in den Innenraum, welche auf der anderen Plattform im Original besteht. Zudem fehlen die seitlichen Trittstufen, um auf die Plattformen zu kommen. Das fällt umso mehr auf, weil diese bei den Transportwagen und dem Sanitätswagen umgesetzt wurden. Dafür sind die Kästen an den Stirnseiten für die Versorgungsanschlüsse erkennbar umgesetzt. Die letzte große Abweichung betrifft aber ein Element, welches mit einem größeren Problem der Originaltreue aller Wagen zusammenhängt: Der Umsetzung der festen Leitung für den Wassertransport vom Löschmittelwagen über die anderen Wagen nach vorne Richtung Lok1. Auf Bildern zum Original konnte ich keine Leitung am Löschwagen erkennen, welche starr über den Köpfen geführt wird. Eher lassen sich Beschreibungen finden, die von Anschlüssen und Leitungen unter dem Boden des Wagons sprechen. Auch sieht man einige Bilder, wo eine „Oberleitung“ des Nachbarwagons über einen flexiblen Schlauch an einen Bodenanschluss des Löschmittelwagens geführt wird. Insofern gibt es für den Wagen einige Abstriche an der B-Note, was Originaltreue betrifft.
Gerätewagen
Bei der Einführung der Tunnelhilfszüge 1988 wurden für die Gerätewagen zunächst umgebaute Bahnpostwagen verwendet. Ab 1990 wurde dann jedoch auf Tiefladewagen umgeschwenkt, weil hier die Entnahme der Gerätschaften aufgrund der niedrigen Einstiegpunkts natürlich praktischer war. Einen solchen Wagen zeigt das Modell. Abweichend vom Original ist aber nur ein statt zwei seitlicher Rollläden dargestellt – vom Maßstab her war hier wohl kein Platz mehr. Umso mehr freut es, dass hier zumindest an den Kopfseiten die Eingänge originalgetreu umgesetzt wurden. Leider sehen die Plattformen davor etwas gequetscht aus. So ist der obere Anschluss an die Wasserleitung nur rudimentär erkennbar, dafür aber wenigstens an der richtigen Stelle angebracht. Wäre die Plattform länger gezogen worden, hätte man die Baulösung des Löschmittelwagens für die Leitung nutzen können. Die Stütze fehlt nämlich an dieser Stelle. Abseits davon ist der Gesamteindruck eher stimmig zum Original. Auch hier: Mangels Innenausbaus können keine weiteren Abweichungen festgehalten werden. Ansonsten wäre hier die Gelegenheit gewesen, verschiedenes technisches Material und Werkzeug unterzubringen.
Die Transportwagen
Kommen wir zu den Einheitscontainern. Vom Grundaufbau – ein rechteckiger Kasten – stellen diese keine Herausforderung dar. Soweit auch keine große Abweichung. Sogar die graubraunen Faltsäcke, die beim Original die aufblasbaren Notrutschen beherbergen, sind an den seitlichen Türen dargestellt. An der einen Stirnseite deutet die Unterbringung der Container einen entsprechenden Anbau an, der beim Original wohl unter anderem die eigenen Notstromaggregate beherbergt. Verschiedene Details finde ich hier im Verhältnis etwas überdimensioniert dargestellt. Die ganze „Box“ hätte man auch schlichter darstellen können. Wechseln wir direkt zur anderen Stirnseite. Dort ist bei den Transportwagen im Modell eine graue Wölbung dargestellt, was wohl den Faltenbalg des Originals wiedergeben soll. Dieser wird allerdings dort nur zwischen dem Transportwagen 2 und dem Sanitätswagen eingesetzt. Beim Transportwagen 1 ergibt dieser keinen Sinn und hier müsste dann eigentlich eine Tür zu sehen sein. Nun zur Wasserleitung: Diese führt grundsätzlich korrekt dargestellt beim Original an der Seite „über dem Kopf“ entlang, wobei sie an einem Ende Richtung Boden geführt wird und am anderen Ende in der Höhe verbleibt. Die Bauanleitung sieht an diese Stelle vor, die Leitung dort direkt an den Cone 1 x 1 Inverted with Bar anzuschließen. Sieht man sich das im Original an, ist das natürlich Kappes, weil es sich um Lautsprecher handelt und nicht um potenzielle Kupplungsübergänge. Beim Original wird die Leitung an der Stelle unter dem Lautsprecher weitergeführt. Auch sind im Original nicht an jeder Seite Leitungen vorhanden. Um Anschlüsse auf beiden Seiten anbieten zu können, werden beim Original an den Stirnseiten flexible Schläuche genutzt, um von einer Abzweigung aus der Hauptleitung einen Anschluss auf der anderen Seite zu verbinden. Ansonsten hätten auf dem Dach vom Transportwagen 1 ruhig noch mehr Antennen (zumindest vermute ich das für die Erhebungen auf den Bildern) dargestellt werden können
Das Dach lässt sich bei den Transportwagen abnehmen, sodass sich ein Vergleich des Innenraums anbietet. Dabei fallen mehrere Dinge auf:
1. Eigentlich müsste eine Schleuse vorhanden sein. Diese war im Original so gestaltet, dass die Türen von beiden Seiten direkt in dieselbe Schleuse führten. Eine Tür ist im Original also an der falschen Seite. Es müssten sich beide jeweils in der Nähe der Aggregatseite befinden.
2. Das führt dann direkt zur nächsten Abweichung: Der Steuerplatz muss dementsprechend von der Stirnseite mit dem Aggregat weg zur anderen Seite. Dort hätte sich an der Stirnseite auch die Tür mit den Seitenfenstern befunden.
3. Was noch fehlt und hier mit dem Steuerplatz zusammengefügt wurde, ist ein separater Funkplatz.
Dass der Technikraum und die Toilette nicht dargestellt wurden, übersehen wir mal großzügig.
Ansonsten ist die Ausstattung zwar spartanisch, aber grundsätzlich in den Grenzen des Maßstabs stimmig umgesetzt.
Sanitätswagen
Mit diesem Wagen habe ich dann doch ein paar mehr Bauchschmerzen. Was die Außenansicht angeht, teilt er sich dieselben Kritikpunkte, wie die Transportwagen. Statt dem angedeuteten Faltenbalg wurden die Stirnseiten jedoch leer belassen. Es fehlt sogar der Aggregatanbau, was im Vergleich zum Original eine große Abweichung ist. Zusätzlich fällt im direkten Vergleich auf, dass beim Original kein Bild zu sehen ist, wo die Sanitätswagen Wasserleitungen an der Seite haben. Das würde insofern Sinn ergeben, als dass bei der Wagenreihung Richtung Einsatzstelle Lok1, Transportwagen 1, Gerätewagen, Löschmittelwagen es ist nicht notwendig ist, eine Leitung über den Sanitätswagen zu führen. Zumal der Transportwagen 2 auch keinen Wasserfluss benötigt, da er ggf. zum Pendelverkehr genutzt wird.
Da auch der Sanitätswagen über einen Innenausbau verfügt, lohnt sich ein Vergleich und hier gehen die Probleme weiter. Denn der Eindruck des Innenlebens gibt für mich keinen Sanitätswagen wieder, da es weder Liegen noch Behandlungsplätze gibt. Stattdessen hat man viele Regale, Schränke und Container. Also eigentlich eher was Richtung Gerätewagen. Selbst wenn man die umfangreiche medizinische Beladung hätte darstellen wollen, hätten dazu mind. zwei Behandlungsplätze gehört. Insofern ist für mich an dieser Stelle das Thema verfehlt worden. Unabhängig davon ist der Innenausbau recht nett anzusehen, wobei die eine Tür auch wieder an der falschen Stelle wäre, wenn man die korrekte Schleusennutzung darstellen möchte.
Fazit
Nach dieser umfangreichen Besprechung ist also nun alles blöd? Kommt drauf an, wo die Ansprüche liegen. Wer ein recht nah am Original gehaltenes Modell möchte, muss an ein paar Stellen noch selber Hand anlegen, wobei hier der Aufwand nicht allzu hoch sein sollte, wenn man auf den Innenausbau keinen großen Wert legt. Wer auf Originaltreue pfeift, erhält ein grundsätzlich stimmiges Modell. Trotzdem hätte ich dann zum Schluss folgenden Rat zur Zugreihenfolge:
Die Produktbilder und die Bauanleitung geben eine falsche Reihenfolge der Wagen an, was jedem ausführlichen Leser bis hierhin nicht überraschen sollte. Um eine zumindest von außen halbwegs korrekten Anschein zu erhalten, sollte die Reihung von der imaginären Lok1 aus wie folgt aussehen: Sanitätswagen (zumindest was Bluebrixx daraus gemacht hat), Gerätewagen, Löschmittelwagen, Transportwagen, Transportwagen (graue Stirnseiten zueinander gewandt).
Erschienen letztes Jahr, habe ich mir das Set zum Jahreswechsel gegönnt. Da es nun ausreichend gereift ist (und ich den Stau abbauen möchte) wird es nach dem Bau mal Zeit für eine Rückschau.
Wie immer werde ich neben der Betrachtung des Modells auch einiges zum Vorbild zum Besten geben. Wer das nicht möchte, kann die Spoiler entsprechend ignorieren.
Kurzinfos zum Set:
- 3004 Teile
- Preis 139,95 €
- Länge aller 5 Waggons: ca. 175 cm
► Text anzeigen
Das Set kommt im formvollendeten schlichtbraunen Karton daher. Die Tüten sind nicht nach Bauabschnitten unterteilt, man muss also alles sofort öffnen und selber vorsortieren. Die Anleitung ist nur als Download bei Bluebrixx erhältlich.
Der Bau beginnt mit dem Löschmittelwagen. Dessen Fahrgestell ist im Prinzip eine flache Platte, weswegen hier im Grunde nur einige Plates übereinander gebaut werden. Interessanter ist da schon die Konstruktion des Aufbaus. Der Container wird quasi mit auf der Seite liegenden Wänden gebaut. Diese bestehen unter anderem aus Steinen mit Mauermuster, wodurch sich eine leicht geriffelte Optik ergibt. Im Anschluss wird der kleinere Aggregatraum mit der markanten Lüfterhutze gebaut. An der Stelle erlaubt sich die Anleitung einen der wenigen Schnitzer: Der Einbau in Bauschritt 63 kann nicht in dieser Reihenfolge durchgeführt werden, da die Brackets im Weg sind. Die müssen nachträglich angefügt werden.
Danach sind der Unterbau und die Drehgestelle an der Reihe. An dieser Stelle kann man die Drehgestelle direkt viermal bauen, da diese baugleich mit denen vom Gerätewagen sind, welcher direkt im Anschluss folgt. Beim Bau der Drehgestelle müssen die Räder erstmal auf die beiliegenden Metallachsen gesteckt und dann in die Fassung gedrückt werden. Danach laufen sie gut. Ein Innenraum wird übrigens weder beim Löschmittelwagen, noch beim Gerätewagen mit Details ausgebaut. Die Dächer sind auch nicht abnehmbar gestaltet.
Der Gerätewagen bietet wieder etwas Abwechslung, auch wenn man hier auch zunächst für das Gestell aus mehreren Platten baut. Da er aber einen Tiefladewagen als Vorlage besitzt, wird sehr rasch vertikal gebaut. Ansonsten sind die Bautechniken hier eher klassisch, wobei die Nutzung der Slope, Curved 8 x 8 x 2 Double für eine typische Tonnendachform sorgen. Die Rollläden an den Eingängen werden mit Steinen mit Mauermustern umgesetzt.
In Bauschritt 172 folgen dann die beiden Transportwagen, welche genau gleich gebaut werden. In der vorliegenden Version der Bauanleitung wird das leider anfangs nicht ganz deutlich, weil das Einschubbild nicht richtig dargestellt wird. Anfänglich kann man auch gleich den Unterbau des Sanitätswagens mitmachen (Bauschritte 280-299), da der Unterbau komplett derselbe ist. Und wenn man schon in der Serienfertigung ist: Die Drehgestelle aller drei Wagen sind ebenfalls identisch, als bitte sechs Mal machen.
Der Bau der Transportwagen ist dann auch recht simpel, weil sie außen eigentlich nur aus Formteilen für Containerwänden bestehen und der Innenraum Großteils nur mit Sitzen ausgestattet wird.
Der Sanitätswagen – ich benenne ihn erstmal weiterhin so, warum ich damit ein Problem habe, erkläre ich später – weicht dann im Innenausbau auch nur insoweit ab, als das hier viele Regale und Staukästen untergebracht werden. Insgesamt sind die letzten drei Wagen aufgrund der Wiederholung dann doch ein eher ernüchterndes Bauerlebnis.
Die Qualität der Steine ist gut. Eigentlich knarzt nichts, es klemmt alles gut. Auch Ein-Noppen-Verbindungen sorgen nicht für Stress. Lediglich einzelne verschmutzte Steine sorgen für Stirnrunzeln und beim Rot gibt es bei bestimmten Teilearten geringe Farbabweichungen, wobei man da schon stark drauf achten muss. Bei den langen und kurzen Rigid Hoses fällt der Farbunterschied schon deutlicher aus. Sie sind aber fest genug und lassen sich wie in der Bauanleitung vorgesehen nutzen und biegen. Da ich sie noch für andere Zwecke nutzen möchte, habe ich die kurzen Rigid Hoses (etwa 7 cm Länge) jedoch in meinem Modell nicht verbaut, da sie zweimal geknickt verbaut werden und ich hier dauerhafte Stressmarker vermeiden wollte. Außerdem müssten die langen Rigid Hoses, welche etwa 28 cm lang sind, zum Teil auf die exakte Länge zugeschnitten werden, was ich ebenfalls nicht getan habe. Ansonsten fiel mir eine Spannung der Teile bei der Bautechnik für die Säcke neben den Türen auf.
Das fertige Modell
Um wieder einen detaillierten Abgleich zwischen Modell und Original durchführen zu können, noch ein paar Worte zur Vorlage: Wie oben im Hintergundwissen erwähnt, wurden die Rettungszüge zwischen 2014 und 2020 erneuert. Das vorliegende Modell stellt den Zustand vor dieser Modernisierung dar. Das kann man ganz leicht erkennen, weil die neueren wagen komplett neu als Containerwagen aufgebaut wurden und von außen nahezu identisch aussehen. Auch bestehen sie nun durchgehend aus Tiefladewagen. Warum sich Bluebrixx nun für die ältere Vorlage entschieden hat, liegt meiner Meinung einfach an der baulichen Abwechslung. Fünf Mal fast denselben Wagen zu bauen ist jetzt auch nicht meine Traumvorstellung eines spannenden Baus. Mir haben schon die drei gleichen Wagen gereicht.
Was natürlich noch auffällt sind die fehlenden Loks, wobei hier wohl auch der Preis eine Rolle spielt. Wer den Zug später nahezu stilecht ziehen möchte, nutzt dazu am Besten die dunkelblaue V100 von Bluebrixx. Dies kommt dem Aussehen der Züge in den Anfangszeiten nahe. Später waren die Loks rot lackiert – das müsste man dann modden.
Nun aber zum eigentlichen Vergleich:
Löschmittelwagen
Der Löschmittelwagen ist im Original mit Wassertank, Pumpen, Schaumtank und weiteren Aggregaten ausgestattet. Außerdem waren hier Rettungstragen verlastet. Von all dem sieht man von außen im Grunde nichts und da Bluebrixx keinen Innenausbau gestaltet hat, gibt es hier auch nicht zu meckern, denn der äußere Grundaufbau ist soweit mit dem Original stimmig. Die größte Abweichung ergibt sich im direkten Vergleich. Bei all den Bildern vom Original konnte ich immer nur eine große durchgehende Lüfterhutze (der „Auspuff“ am kleinen Anbau) erkennen. Im Modell ist diese zweigeteilt. Der Anbau, welcher im Original übrigens die Wageneigenen Dieselaggregate zur Stromerzeugung und somit Versorgung der Pumpen beherbergt, ist auch viel zu breit. Im Original konnte man an den Seiten locker noch Mannbreit daneben stehen. Warum hier so stark abgewichen wurde, erschließt sich mir erstmal nicht. Was außerdem fehlt, ist eine – wenn auch angedeutete – Tür in den Innenraum, welche auf der anderen Plattform im Original besteht. Zudem fehlen die seitlichen Trittstufen, um auf die Plattformen zu kommen. Das fällt umso mehr auf, weil diese bei den Transportwagen und dem Sanitätswagen umgesetzt wurden. Dafür sind die Kästen an den Stirnseiten für die Versorgungsanschlüsse erkennbar umgesetzt. Die letzte große Abweichung betrifft aber ein Element, welches mit einem größeren Problem der Originaltreue aller Wagen zusammenhängt: Der Umsetzung der festen Leitung für den Wassertransport vom Löschmittelwagen über die anderen Wagen nach vorne Richtung Lok1. Auf Bildern zum Original konnte ich keine Leitung am Löschwagen erkennen, welche starr über den Köpfen geführt wird. Eher lassen sich Beschreibungen finden, die von Anschlüssen und Leitungen unter dem Boden des Wagons sprechen. Auch sieht man einige Bilder, wo eine „Oberleitung“ des Nachbarwagons über einen flexiblen Schlauch an einen Bodenanschluss des Löschmittelwagens geführt wird. Insofern gibt es für den Wagen einige Abstriche an der B-Note, was Originaltreue betrifft.
Gerätewagen
Bei der Einführung der Tunnelhilfszüge 1988 wurden für die Gerätewagen zunächst umgebaute Bahnpostwagen verwendet. Ab 1990 wurde dann jedoch auf Tiefladewagen umgeschwenkt, weil hier die Entnahme der Gerätschaften aufgrund der niedrigen Einstiegpunkts natürlich praktischer war. Einen solchen Wagen zeigt das Modell. Abweichend vom Original ist aber nur ein statt zwei seitlicher Rollläden dargestellt – vom Maßstab her war hier wohl kein Platz mehr. Umso mehr freut es, dass hier zumindest an den Kopfseiten die Eingänge originalgetreu umgesetzt wurden. Leider sehen die Plattformen davor etwas gequetscht aus. So ist der obere Anschluss an die Wasserleitung nur rudimentär erkennbar, dafür aber wenigstens an der richtigen Stelle angebracht. Wäre die Plattform länger gezogen worden, hätte man die Baulösung des Löschmittelwagens für die Leitung nutzen können. Die Stütze fehlt nämlich an dieser Stelle. Abseits davon ist der Gesamteindruck eher stimmig zum Original. Auch hier: Mangels Innenausbaus können keine weiteren Abweichungen festgehalten werden. Ansonsten wäre hier die Gelegenheit gewesen, verschiedenes technisches Material und Werkzeug unterzubringen.
Die Transportwagen
Kommen wir zu den Einheitscontainern. Vom Grundaufbau – ein rechteckiger Kasten – stellen diese keine Herausforderung dar. Soweit auch keine große Abweichung. Sogar die graubraunen Faltsäcke, die beim Original die aufblasbaren Notrutschen beherbergen, sind an den seitlichen Türen dargestellt. An der einen Stirnseite deutet die Unterbringung der Container einen entsprechenden Anbau an, der beim Original wohl unter anderem die eigenen Notstromaggregate beherbergt. Verschiedene Details finde ich hier im Verhältnis etwas überdimensioniert dargestellt. Die ganze „Box“ hätte man auch schlichter darstellen können. Wechseln wir direkt zur anderen Stirnseite. Dort ist bei den Transportwagen im Modell eine graue Wölbung dargestellt, was wohl den Faltenbalg des Originals wiedergeben soll. Dieser wird allerdings dort nur zwischen dem Transportwagen 2 und dem Sanitätswagen eingesetzt. Beim Transportwagen 1 ergibt dieser keinen Sinn und hier müsste dann eigentlich eine Tür zu sehen sein. Nun zur Wasserleitung: Diese führt grundsätzlich korrekt dargestellt beim Original an der Seite „über dem Kopf“ entlang, wobei sie an einem Ende Richtung Boden geführt wird und am anderen Ende in der Höhe verbleibt. Die Bauanleitung sieht an diese Stelle vor, die Leitung dort direkt an den Cone 1 x 1 Inverted with Bar anzuschließen. Sieht man sich das im Original an, ist das natürlich Kappes, weil es sich um Lautsprecher handelt und nicht um potenzielle Kupplungsübergänge. Beim Original wird die Leitung an der Stelle unter dem Lautsprecher weitergeführt. Auch sind im Original nicht an jeder Seite Leitungen vorhanden. Um Anschlüsse auf beiden Seiten anbieten zu können, werden beim Original an den Stirnseiten flexible Schläuche genutzt, um von einer Abzweigung aus der Hauptleitung einen Anschluss auf der anderen Seite zu verbinden. Ansonsten hätten auf dem Dach vom Transportwagen 1 ruhig noch mehr Antennen (zumindest vermute ich das für die Erhebungen auf den Bildern) dargestellt werden können
Das Dach lässt sich bei den Transportwagen abnehmen, sodass sich ein Vergleich des Innenraums anbietet. Dabei fallen mehrere Dinge auf:
1. Eigentlich müsste eine Schleuse vorhanden sein. Diese war im Original so gestaltet, dass die Türen von beiden Seiten direkt in dieselbe Schleuse führten. Eine Tür ist im Original also an der falschen Seite. Es müssten sich beide jeweils in der Nähe der Aggregatseite befinden.
2. Das führt dann direkt zur nächsten Abweichung: Der Steuerplatz muss dementsprechend von der Stirnseite mit dem Aggregat weg zur anderen Seite. Dort hätte sich an der Stirnseite auch die Tür mit den Seitenfenstern befunden.
3. Was noch fehlt und hier mit dem Steuerplatz zusammengefügt wurde, ist ein separater Funkplatz.
Dass der Technikraum und die Toilette nicht dargestellt wurden, übersehen wir mal großzügig.
Ansonsten ist die Ausstattung zwar spartanisch, aber grundsätzlich in den Grenzen des Maßstabs stimmig umgesetzt.
Sanitätswagen
Mit diesem Wagen habe ich dann doch ein paar mehr Bauchschmerzen. Was die Außenansicht angeht, teilt er sich dieselben Kritikpunkte, wie die Transportwagen. Statt dem angedeuteten Faltenbalg wurden die Stirnseiten jedoch leer belassen. Es fehlt sogar der Aggregatanbau, was im Vergleich zum Original eine große Abweichung ist. Zusätzlich fällt im direkten Vergleich auf, dass beim Original kein Bild zu sehen ist, wo die Sanitätswagen Wasserleitungen an der Seite haben. Das würde insofern Sinn ergeben, als dass bei der Wagenreihung Richtung Einsatzstelle Lok1, Transportwagen 1, Gerätewagen, Löschmittelwagen es ist nicht notwendig ist, eine Leitung über den Sanitätswagen zu führen. Zumal der Transportwagen 2 auch keinen Wasserfluss benötigt, da er ggf. zum Pendelverkehr genutzt wird.
Da auch der Sanitätswagen über einen Innenausbau verfügt, lohnt sich ein Vergleich und hier gehen die Probleme weiter. Denn der Eindruck des Innenlebens gibt für mich keinen Sanitätswagen wieder, da es weder Liegen noch Behandlungsplätze gibt. Stattdessen hat man viele Regale, Schränke und Container. Also eigentlich eher was Richtung Gerätewagen. Selbst wenn man die umfangreiche medizinische Beladung hätte darstellen wollen, hätten dazu mind. zwei Behandlungsplätze gehört. Insofern ist für mich an dieser Stelle das Thema verfehlt worden. Unabhängig davon ist der Innenausbau recht nett anzusehen, wobei die eine Tür auch wieder an der falschen Stelle wäre, wenn man die korrekte Schleusennutzung darstellen möchte.
Fazit
Nach dieser umfangreichen Besprechung ist also nun alles blöd? Kommt drauf an, wo die Ansprüche liegen. Wer ein recht nah am Original gehaltenes Modell möchte, muss an ein paar Stellen noch selber Hand anlegen, wobei hier der Aufwand nicht allzu hoch sein sollte, wenn man auf den Innenausbau keinen großen Wert legt. Wer auf Originaltreue pfeift, erhält ein grundsätzlich stimmiges Modell. Trotzdem hätte ich dann zum Schluss folgenden Rat zur Zugreihenfolge:
Die Produktbilder und die Bauanleitung geben eine falsche Reihenfolge der Wagen an, was jedem ausführlichen Leser bis hierhin nicht überraschen sollte. Um eine zumindest von außen halbwegs korrekten Anschein zu erhalten, sollte die Reihung von der imaginären Lok1 aus wie folgt aussehen: Sanitätswagen (zumindest was Bluebrixx daraus gemacht hat), Gerätewagen, Löschmittelwagen, Transportwagen, Transportwagen (graue Stirnseiten zueinander gewandt).